One Two
Sie sind hier: Startseite Fragen Johannes und Elia

Johannes und Elia

Ist Johannes der Täufer der reinkarnierte Elia?

Die Frage, ob Johannes der Täufer Elia war, kann man aus verschiedenen Gründen nicht beantworten. Zum einen wollen die Evangelien, die unsere wesentliche Quelle für Johannes den Täufer sind, keinen historischen Bericht über Johannes den Täufer geben, in dem sie diese Frage bearbeiten. Vielmehr beschreibt jedes Evangelium Johannes ein bisschen anders, um mit dieser Beschreibung die Bedeutung, die Jesus für den Glaubenden hat, auszusagen. Auch davon unabhängig kann man keine exakte Bestimmung vornehmen, weil man nur zu ermitteln versuchen kann, ob die Leute bzw. die Evangelisten in Johannes den wiedergekehrten Elias gesehen haben. Was man aber sagen kann, ist, dass im Judentum zur Zeit Jesu und der Evangelisten Elia eine große Bedeutung hatte. Weil von ihm erzählt wird, dass er nicht starb, sondern in den Himmel entrückt wurde, glaubte man, dass Elia ein Nothelfer sei, zu dem man in der Not beten könne (vgl. Mk 15,34), und meinte, dass er wiederkommen werde. Sein Wiederkommen wurde als Zeichen des bevorstehenden, endzeitlichen Heils für Israel gesehen, weil er als Wegbereiter Gottes, der in der Endzeit zum Heil für Israel kommt, oder als Vorläufer des Messias oder als Hohepriester der messianischen Endzeit kommen werde. Einen Niederschlag dieses Glaubens finden wir in Mk 9,12. Auch in Röm 11,1-6 könnte die Erwähnung von Elia schon hier anzeigen, dass Paulus Israels Unheilsstatus nicht als ewig festgeschrieben sieht, sondern am Ende von Röm 11 Heil für Israel erwartet.

In Joh 1,21.25 erzählt der Evangelist Johannes, dass Johannes der Täufer es abgelehnt habe, der wiedergekehrte Elias zu sein. Das könnte durchaus historisch sein, dass Johannes der Täufer sich nicht als wiedergekommener Elias sehen wollte – vielleicht aus eigener Bescheidenheit und als Verweis auf Gott als den einzigen, der über Heil und Unheil entscheidet. So wollte Johannes der Täufer vielleicht vermeiden,  dass die Leute glaubten allein mit seiner Anwesenheit als wiedergekehrter Elia sei das Heil in greifbarer Nähe – ohne radikale eigene Umkehr. Es könnte aber auch der schriftstellerischen Absicht des Johannesevangeliums geschuldet sein, das Johannes den Täufer als einen jüdischen Zeugen darstellen will, der erkannt hat und für seine jüdischen Glaubensgenossen bezeugt, dass Jesus das Lamm Gottes und der Sohn Gottes ist.

Im Markusevangelium wird Johannes der Täufer durchaus so "gemalt", dass man in ihm den wiedergekommenen Elias sehen kann. Mit dem haarigen Mantel und dem Gürtel um die Hüfte zieht Markus in Mk 1,6 Johannes den Täufer so an, wie nach 2Kön 1,8 Elia angezogen war. Auch das Zitat aus Mal 3,23 in Mk 1,2 könnte dafür sprechen. Damit will Markus seinen Lesern zeigen, dass der nachkommende Jesus kommt, wie Gott nach dem auftretenden Elia kommt und / oder dass Jesus wie der Messias kommt, der nach Elia kommt. Lukas wiederum ist es nicht wichtig, in Johannes dem Täufer Elia zu sehen, bei ihm fehlt die Erzählung der Kleidung, die den Leser in Johannes, dem Täufer, Elia erkennen lassen kann. Lukas kommt es auf die Worte an, die Johannes der Täufer spricht, egal, was für eine Person er ist.So kann man abschließend mit Mt 11,14 "wenn ihr es annehmen wollt – er ist Elia" wie oben angedeutet sagen, dass es immer darauf ankommt, was die Leute in Johannes dem Täufer sehen wollten, um ihrem Glauben damit Ausdruck zu verleihen. Was der historische Jesus über Elia gedacht hat, hängt davon ab, wie man die Quellen bewertet. Mk 9,13 als auf den Täufer bezogene Aussage, passt gut zu der Aussage von Mk 1,6 und könnte so nicht dem Mund Jesu, sondern der Feder des Markus entstammen. Ob dahinter die Auffassung des historischen Jesus steht, lässt sich nur schwer sagen. Sicher ist, dass der historische Jesus Johannes den Täufer geschätzt hat und zu Beginn einer seiner Jünger war.

(PD. Dr. Jochen Flebbe)

Zugeordnete Kategorie(n):
Artikelaktionen